Motto: Einmischen!

1986 fühlten wir uns als Wohngemeinschaft gefestigt. Es wurde langsam Zeit, sich in die Politik der Stadt Leverkusen und speziell der Stadtentwicklung in Wiesdorf, da wo wir lebten, einzumischen. 1986 wurde sehr viel in der Stadt über Wiesorf diskutiert. Wir haben dann im Kontext dieser Diskussionen ein Konzept entwickelt, mit dem Wiesdorf wieder eine Anbindung an den Rhein bekommen hätte. Der Traum aller Wiesdorfer, könnte man meinen.

 

Doch unser Konzept hatte einen Haken: Wir wollten den gesamten A-59-Verkehr aus Wiesdorf fernhalten. Er sollte durch den Spaghettiknoten geleitet und letzlich an die B8 angebunden werden. Bayer-Pendler sollten im Spaghettiknoten ihre Autos parken und mit Pendelbussen durch einen Tunnel unter der Trasse der damaligen Rheinallee ins Werk kutschiert werden. Durch diesen Tunnel sollte auch der Verkehr vom Werk zu Deponie laufen. Nun, und Wiesdorf hätte endlich einen Park am Rhein. Es versteht sich von selbst, dass im Jahre 1986 die Altlast Dhünnaue noch kein Thema war. Seht selbst, wie akribisch wir ein Modell dieser Vision aus Styropor gebastelt haben:

Als dieses 4 Quadratmeter große Modell unserer Vision von Wiesdorf fertig war, haben wir das ins Rathaus geschleppt und dem Oberbürgermeister Horst Henning vorgestellt. Hier der Zeitungsartikel dazu vom 19. Februar 1986:

Hier seht ihr ein paar Bilder von unserem Bild der Stadt in Farbe:

Anfang  März 1986 haben wir unseren Plan dann allen Bürgern vorgestellt.

1986, da war ja noch was ganz anders: Am anderen Ende der Niederfeldstraße stand ein einsames Haus sehr leer. Das war die Hausnummer 49. Dann gab es plötzlich im Mai Alarm. Der Bagger sollte rollen, schon am nächsten Morgen. Es ging um Soforthilfe gegen Wohnraumzerstörung in Alt-Wiesdorf. Selbstverständlich waren wir zur Stelle, haben Transparente gemalt und sind rein ins Haus N49:

Das war mal ein Statement. Und es war ein bleibendes Statement. Es zeigte sich: Bayer hatte mit dem Besitzer des Grundstücks einen Deal vereinbart, der den vollen Kaufpreis erst nach dem Abriss des leerstehenden Wohnhauses bedeutete. 90 Prozent für das Grundstück, 100 Prozent nach Abriss der Hütte. Deshalb sollten so schnell und plötzlich die Bagger anrollen.

 

Doch dieser Deal funktionierte nicht, nun war die N49 besetzt. Ein Riesenaufreger, auch um den eher unmoralischen Deal von Bayer. Es ging hoch her. Doch keine 24 Stunden später war klar, dass die N49 nicht geräumt und auch nicht abgerissen wird. Ein paar Monate später verkündete die lokale Presse:

Ja, und dieses traute Heim blieb dann noch fast für zwei Jahrzehnte ein preiswertes Zuhause für drei Menschen. Erst mit den Arbeiten zur Landesgtartenschau, die im Jahre 2005 auf dem Gelände der Altlast Dhünnaue stattfand, wurde die N49 abgerissen.

Und noch etwas war los, so etwa fünf Jahre nach der Besetzung der N8: Da begannen die Vorbereitungen der Volkszählung 1987. Aus heutiger Sicht ist es kaum zu glauben, dass damals ein breiter Protest gegen diese staatliche Informations-Sammelwut herrschte, der quer durch alle Bevölkerungsschichten ging.

 

Natürlich waren wir von der N8 an vorderster Front gegen die Volskszählung dabei und haben Info-Stände gemacht. Die Polizei war natürlich sehr an unseren ausgelegten Informationen interessiert...

Wir haben natürlich nicht nur Infostände bespielt! Selbstverständlich haben wir auch für den Volkszählungsboykott demonstriert.

Manchmal wurden die Infostände auch mit Aktionen aufgepeppt. So wie hier beim Stand vor der Kirche:

Die N8 war eine der Sammelstellen in Leverkusen. Boykottwillige Menschen haben ihre Fragebögen bei uns abgegeben. Es waren etwa 1000 Bögen, die wir erhalten haben. Im Sommer 1987, gegen Ende der Volkszählung haben wir die gesammelten Bögen alle zerknüllt und dann im Rathaus verteilt. Natürlich wurden wir aufgefordert, diese wieder einzusammeln. Wir haben dann einen wunderbaren Kehraus , frei nach "vom Winde verweht", gemacht...

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