37 Jahre in Kurzform...

Das Wohnhaus Niederfeldstraße 8 in Leverkusen, von allen Freunden nur liebevoll „N8“ genannt bietet nun bereits seit 37 Jahren sieben jungen Menschen die Möglichkeit, möglichst früh vom Elternhaus weg zu ziehen, um in der N8 ein bezahlbares Zimmer zu bewohnen.

 

Hervorgegangen ist die N8 aus der linksorientierten Szene der Stadt Leverkusen, die seit Ende der siebziger Jahre immer wieder auf das sich verschärfende Problem der Wohnungsnot hingewiesen haben. Wohnungspolitik in Leverkusen sah Anfang der achtziger Jahre so aus:

Solche von einer dreisten industriehörigen Obrigkeit geschaffenen Fakten sind nur schwer zu ertragen. Da nimmt man dann auch gerne ein gewisses Lebensrisiko in Kauf. Detlef erklärt das Bewusstsein um die Illegalität einer Hausbesetzung und die Notwendigkeit solcher illegalen Mittel wie einen Hausfriedensbruch.

Mit dem Abriss des Wohnhauses gegenüber, der Niederfeldstraße 5, am 27. April 1981 war die Wut groß genug: Spontan wurde das seit sechs Jahre leerstehende Haus Niederfeldstraße 8 in der Nacht zum 28. April 1981 von etwa 70 bis 80 Menschen besetzt. Da gab es im Keller der N8 auch so manche seltsame Begegnung mit Hinterlassenschaften ehemaliger Bewohner der N8...

Auch politisch gab es einiges zu entdecken in der N8. So verlor sehr schnell nach dem spontanen Akt der Hausbesetzung ein in Leverkusen fast in Stein gemeißelter Grundsatz seine Existenzberechtigung:. Hier gehört ohnehin alles dem Bayer!

 

Detlef zu den Irritationen, als die Besetzergemeinschaft feststellen musste, dass ausgerechnet die N8 nicht dem Bayer gehörte...

Diese Irritation ist sogar authentisch filmisch dokumentiert. Dank Roland Wiese, der damals - übrigens mit von der Stadt Leverkusen zur Verfügung gestellten S-VHS-Equipment - die ganze Hausbesetzung super mit der Kamera begleitet hat, haben wir jetzt die Ehre, an - vielleicht nicht dem ersten - aber einem der ersten Plenen im besetzten Haus Niederfeldstraße 8 teilzunehmen. Lauscht selbst den Stimmen von damals...

Zur zweiten Hausbesetzung direkt nach der Besetzung der N8 ist es dann ja nicht gekommen. Fakt ist: Die Dominanz des Bayer-Konzerns in Leverkusen war damals atemberaubend groß. Was allerdings nicht verwundern muss, da Karl Leverkus, ein Chemiker von Bayer, der Namensgeber unserer so wunderschönen Stadt am Rhein ist. Peter über die eigene Gesetzgebung von Bayer in seiner Stadt...

Volker über das volle Risiko einer solchen Hausbesetzer-Aktion und der damaligen Kölner Linie von Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes:

Und nochmal Klaus Huber mit seinen Super-8-Filmessays. Kommt rein in die N8, aber duckt euch, der Eingang ist noch halb zugemauert. Ist aber gut zu erkennen, weil er bunt bemalt ist. Vier Pfeile und rot, grün, blau und gelb weisen den Weg in das Innere der N8...

Die N8 ist heute 109 Jahre alt, sie wurde als Jugendstilhaus im Jahre 1908 unten am Rhein erbaut. Sie ist ein dreigeschossiges vollunterkellertes Wohnhaus mit Speicher. Die Toiletten befinden sich im Hausflur. Das Haus stand von 1976 bis 1981 sechs Jahre leer und war von Strom und Wasser abgeklemmt. Die Haustüre und die Fenster im Erdgeschoss waren zugemauert.

 

Der Eigentümer, der Landschaftsverband Rheinland, wollte das Haus abreißen lassen, weil es der Realisierung eines geplanten Autobahnbaus am Rhein, der A59, im Wege stand. Als sich nach der Hausbesetzung abzeichnete, dass diese Autobahn ein totes Planungsmonster bleiben würde und niemals Realität, gab der Landschaftsverband das Haus an die Bundesvermögensverwaltung in Köln ab, die solche brachliegenden Immobilien verwaltet. So bekamen nach 18 Monaten Instandbesetzung ohne Strom und ohne Wasser die damals neun Hausbesetzer im November 1982 einen ordentlichen Mietvertrag sowie einen Strom- und Wasseranschluss. Heute noch gibt es fließendes Wasser nur bis in das Erdgeschoss und zu den beiden Toiletten im Hausflur.

 

Da sie die Monate der Instandbesetzung gut genutzt hatten, erkannte die Bundesvermögensverwaltung die ehrenamtlich geleistete Renovierungstätigkeit durch eine zweijährige Mietfreiheit an.

 

1985 dann trat die Bundesvermögensverwaltung an ihre Mieter mit einem Verkaufsangebot heran. Diese suchten und fanden in einem Ratsmitglied der Alternativen Grünen Liste (AGL) einen Investor, der das Konzept einer großen Wohngemeinschaft mit kostengünstiger Miete mittrug.

 

Im Mai 2012 wurde deutlich, dass sich dieser Investor aus Altersgründen aus dem Immobiliengeschäft zurückziehen und sich unter anderem von der N8 trennen wollte. Ein schmerzlicher Prozess begann, auch mit persönlichen Differenzen, weil es auf dem heutigen freien Immobilienmarkt kaum möglich ist, eine solche Idee fortzusetzen. Es drohte das Aus für dieses einmalige Wohnprojekt.

 

Im Dezember 2013 fand sich dann eine glückliche Lösung: Detlef Stoller, einer der Hausbesetzer von 1981 kaufte die N8 gemeinsam mit seiner Ehefrau Ursula Eggert. Sie baten den freien Bauleiter Robert Vukovic um die fachliche Begleitung der anstehenden umfassenden Altbausanierung: Es galt Lösungen zu finden für die Dacheindeckung, Heizungssanierung, Fenstersanierung und die Fassadensanierung. Und alles unter Vollbelegung des Hauses mit einer großen Wohngemeinschaft.

 

Nun ist zum Maibeginn 2014 das gröbste geschafft und zwar erfolgreich: Das Dach ist neu eingedeckt, eine moderne Brennwert-Therme ist eingebaut. Die vordere Fassade wurde Anfang Mai 2014 im Rahmen eines Straßenfestes von den derzeitigen und ehemaligen Bewohnern liebevoll angestrichen.

 

Herzlichen Dank an Robert Vukovic, für seine hervorragende Unterstützung als ehrenamtlicher Bauleiter.

 

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